Der Park

Tradition von Gartenschauen in Hamburg

Gartenbauausstellungen als Mittel zukunftsweisender Stadtentwicklung

Gartenbauausstellungen haben in deutschen Städten eine über 150-jährige Tradition. Sie haben sich im Laufe der Jahre zu Großprojekten mit ökologischen, städtebaulichen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen für die jeweilige Stadt oder Kommune entwickelt. Jede Stadt oder Region hat dabei eine andere Gartenschautradition entwickelt. 

Pflanzenhaus, Zeichnung von 1869

1869

Schon ab 1869 werden Gartenbauausstellungen in Hamburg zu Instrumenten der Städtebau- und Grünpolitik. Schon die Internationale Gartenbauausstellung zu Hamburg 1869, die erste Internationale Gartenbauausstellung, die in Deutschland stattfand, wurde genutzt, um Teile der alten Stadtwälle zu öffentlichen Grünanlagen umzugestalten.

 

Wasserrutschbahn, Foto von 1897

1897

Die Allgemeine Gartenbauausstellung zu Hamburg 1897 fand auf Teilen der alten Wallanlagen zwischen Holsten- und Millerntor statt. Anders als bisher üblich mussten sich alle Aussteller in einen nach „künstlerischen Grundsätzen entworfenen Generalplan einfügen, damit ein in jeder Beziehung einheitliches landschaftliches Gesamtbild entsteht, hinter dem die Einzelausstellungen zurücktraten”. Sie übertraf damit „an Großartigkeit und Dauer alle bisher in Deutschland veranstalteten Gartenbau-Ausstellungen”, wie die Presse schwärmte. (Gustav Allinger)

 

Blick auf die Donnersche Weide, Foto von 1914

1914

Mit der Gartenbau-Ausstellung 1914 ergriff die Stadt Altona anlässlich des 250-jährigen Stadtjubiläums die Gelegenheit, wie schon zuvor Hamburg, „nachhaltige” Grünplanung zu betreiben und Einzelparkanlagen am Elbufer, wie den Wriedtschen Park und den Donnerspark, die bereits in ihrem Besitz waren, durch die Gartenbauausstellung „zu erschließen und zu einem einheitlichen öffentlichen Park zu vereinigen und der Bevölkerung als Jubiläumsgabe darzubringen”. (Gustav Allinger)

 

Planten un Blomen, Foto von 1935

1935

Der wohl bekannteste öffentliche Hamburger Park, „Planten un Blomen”, war das Ergebnis der gleichnamigen Niederdeutschen Gartenschau von 1935 auf dem ehemaligen Zoogelände am Dammtor. Auch damit verfolgte die Stadtverwaltung schon bei der Planung der Ausstellung vor allem den Zweck, „hier im Herzen der Stadt eine schöne Erholungsanlage für die Bevölkerung zu schaffen”. (Gustav Allinger)

 

Rosengärten, Foto von 1953

1953

In den Nachkriegsjahren ging es bei Gartenbauausstellungen oft um den Wiederaufbau der zerstörten Parkanlagen. In späteren Jahren wurden neue städtische Probleme, wie die Lenkung des Autoverkehrs, Untertunnelungen und fußläufige Verbindungen zwischen einzelnen innerstädtischen Parkanlagen oder die Verbesserung des Sport- und Spielflächenangebots thematisiert.

Mit der IGA 1953 in Hamburg auf dem Gelände von Planten un Blomen und dem Jungiusgelände (ehem: Kirchhofgelände, heute: Messegelände) wurden die Architektur und die plastische Kunst im Zusammenspiel mit der Gartenkunst hervorgehoben. Großen Anteil an dieser Gewichtung hatte der Hamburger Architekt Bernhard Hermkes, der mit der baulichen und künstlerischen Leitung der IGA 53 betraut war.

Sein gläsner Philipsturm war lange Zeit ein Wahrzeichen der Stadt. Besondere Beachtung fand die internationale Schau „Plastik im Freien”, die auf dem neu angelegten Alsterparkgelände, nur wenige Minuten vom Ausstellungsgelände entfernt, ausgerichtet wurde. Plastiken von großen Bildhauern wie Max Bill und Wilhelm Lehmbruck wurden auf dem ca. 15 ha großen Gelände an der Außenalster, das nach der IGA der Öffentlichkeit als Alsterpark hinterlassen wurde, gezeigt.

 

Blick zur Eulenburg-Wiese, Foto von 1963

1963

Die nächste IGA in Hamburg wurde 1963 ausgerichtet. Der Veranstalter kündigte sie als Weltausstellung des Gartenbaus an. Bedeutende Gartenarchitekten wie Karl Plomin hatten die Verantwortung für die Planung und Ausführung. „Gärtner von 33 Völkern der Erde zeigen ihre Kunst”. Die flächenmäßige Ausdehnung der Ausstellung erreichte fast das Eineinhalbfache der IGA 1953. Die Außenflächen erstreckten sich von Planten un Blomen bis zu den Großen Wallanlagen am Millerntor. Zum ersten Mal wurden Flächen auf dem Heiligengeistfeld mit einbezogen. Die IGA 1963 hinterließ Hamburg einen durchgehenden „Wallringpark” vom Dammtor bis zum Millerntor. Durch Tieferlegung der Marseiller Straße und des Parkterrains am Sievekingplatz sowie Untertunnelung und Überbrückung von Straßen konnte das gesamte IGA-Gelände zu Fuß oder mit einer 1,5 km langen Seilbahn erschlossen werden.

 

Spielplatz, Foto von 1973

1973

Die letzte in dieser Reihe der internationalen Gartenbauausstellungen in Hamburg war die IGA 1973, die in Planten un Blomen, im Botanischen Garten und in den Wallanlagen stattfand. Sie beeindruckte vor allem wegen ihrer großen Blumenschauen in den Hallen des Messegeländes, aber sie brachte im Gegensatz zu ihren Vorgängern im Ergebnis keine neuen öffentlichen Parkanlagen hervor. Durch breite Überbauung der Straße Bei den Kirchhöfen gelang aber der Zusammenschluss der Parkanlagen von Planten un Blomen und dem Botanischen Garten.

 

Ein Beitrag von Herrn Dr. Dieter Schädel,
Fritz-Schumacher-Institut an der HfbK

 

Weitere Informationen zur Geschichte der Gartenschauen finden Sie auch unter
www.bundesgartenschau.de