
Tradition von Volksparken in Hamburg
Volksparke als moderne Instrumente der sozialen Stadtplanung
Anders als die Park- und Grünanlagen, die in Hamburg in Folge der verschiedenen Gartenbauausstellungen entstanden oder ausgebaut wurden, sind der Stadtpark in Winterhude, der Altonaer Volkspark in Bahrenfeld und der Hammer Park Ergebnisse konkreter Stadtplanung, um notwendige Erholungs-, Spiel- und Grünflächen für die engen Wohnquartiere der Großstadt zu schaffen.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Hammer Park, der im Bebauungsplan „Hamm-Geest” 1914 mit 16 ha festgeschrieben wurde, um Erholungs- und Spielflächen für die Bewohner der umliegenden dicht besiedelten Kleinwohnsiedlungen zu schaffen. Otto Linne fertigte noch im gleichen Jahr die Entwürfe für den Hammer Park, der innerhalb von zwei Jahren realisiert wurde.
Noch deutlicher benennt Fritz Schumacher die städtebaulichen und sozialen Ziele, die er mit der Anlage des Stadtparks in Winterhude, zwischen der Jarrestadt und den Arbeiterwohngebieten in Barmbek, verband. Schumacher plante einen Volkspark, mit Spiel- und Sportflächen, Wasser- und Grünflächen, die nicht nur zum Ansehen vorhanden sein, sondern ausdrücklich betreten und benutzt werden sollten. Etwas Besonderes waren auch die vielen Bauten, wie Trinkhalle, Milchwirtschaft, Cafés und Restaurants, die Schumacher in den Park verteilte, um die Menschen in der Freizeit in den Park zu holen. 1910 begannen die ersten Arbeiten am Hamburger Stadtpark. Bis zur endgültigen Fertigstellung vergingen fast 20 Jahre.
Die gleiche Bedeutung, die der Stadtpark in Winterhude für Hamburg hatte, kann dem Altonaer Volkspark für die damals selbständige Stadt Altona beigemessen werden. Schon 1889 sicherte sich die Stadt Altona mit einer vorausschauenden Grundstückspolitik notwendige Flurstücke in erreichbarer Nähe zu den dicht besiedelten Stadtquartieren. Immerhin war Altona nach Breslau die deutsche Stadt mit der höchsten Bevölkerungsdichte (1920 mit 8.352 Einwohnern/qkm war die Bevölkerungsdichte mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt in deutschen Großstädten und noch ca. 50 % höher als in den dicht besiedelten Wohnquartieren Hamburgs). Die Notwendigkeit eines Volksparks war also nicht zu übersehen. 1914 begannen die Arbeiten am Altonaer Volkspark, der in vier Bauphasen bis 1933 fertig gestellt wurde.
Die internationale gartenschau 2013 steht in der Tradition mit Gartenbauausstellungen, die als Instrumente zukunftsweisender sozialer Stadtteilentwicklung eingesetzt wurden. Mit ihr soll der Grundstein für einen neuen Volkspark in Wilhelmsburg gelegt werden. Sie steht damit in einer gewissen historischen Kontinuität in Hamburg, die in der Ausstellung zur igs 2013 deutlich werden soll.
Ein Beitrag von Herrn Dr. Dieter Schädel,
Fritz-Schumacher-Institut an der HfbK






