
Natur im Park
Es war eine große Diskussion, und sie ist noch nicht zu Ende: Im Herzen der Elbinsel Wilhelmsburg gestaltet die internationale gartenschau hamburg einen Park für die Stadt. Nach Ausstellungsende im Herbst 2013 wird er allen Hamburgerinnen und Hamburgern zur Verfügung stehen.
Zur Umsetzung ihrer Planungen hat die igs 2013 seit 2008 umfangreiche Veränderungen in dem weitgehend verwilderten und zugewachsenen Gelände vorgenommen: Auf der etwa 100 Hektar großen Grünfläche wurden Wege und Wiesen angelegt, Zugänge zu den Gewässern geschaffen, das alte Grabensystem teilweise wiederhergestellt und in anderen Bereichen neue gestaltet, ein Kanal gebaut sowie Grundstücke für die Bebauung im geplanten neuen Zentrum Wilhlemsburg Mitte hergerichtet. Meist stellen derartige Veränderungen Eingriffe in Natur und Landschaft dar, unter anderem weil Bäume gefällt und Flächen versiegelt werden, aber auch weil die Natur durch umfangreiche Bauarbeiten durch Lärm gestört wird.
Vor diesem Hintergrund hat die igs 2013 ein Ausgleichs- und Naturschutzkonzept erarbeitet, in dem zum einen dargestellt wird, wo die verursachten Eingriffe in die Natur ausgeglichen werden, zum anderen aber auch aufgezeigt wird, welche besonders wertvollen Areale geschützt werden und wo einzelne Bereiche aus naturschutzfachlicher Sicht optimiert werden. Einen Schwerpunkt der Aufwertungsmaßnahmen stellen die Gewässererlebnisräume dar. So werden unter anderem die Uhlenbuschbracks, die einen Lebensraum für Eisvogel und Grauschnäpper, aber auch für Amphibien und zahlreiche Libellen bieten, von einer Überplanung ausgespart. Zur Verbesserung der Gewässerlebensräume wurden Kuckucksteich und Kuckuckswettern sowie die völlig verlandeten Randbereiche des Kükenbracks entschlammt. An den Uferbereichen der Teiche werden Uferbefestigungen entfernt, Böschungen abgeflacht und naturnahe Uferstauden angesät und angepflanzt.
Wieso entsteht in Wilhelmsburg überhaupt ein Park?
Auch der ursprüngliche „wilde Park“ hatte seine eigene Schönheit. Die Hamburger Bürgerschaft – und damit die Vertretung aller Hamburger im Parlament – aber hat die igs 2013 damit beauftragt, die Grünfläche zu gestalten. Denn bis auf wenige Areale rund um die Kapelle und die Wiese am Kuckucksteich war der Park für die meisten Anwohner nur auf wenigen Wegen zugänglich. Viele Flächen waren zugewachsen. Die meisten Wilhelmsburger nutzen die Grünfläche ausschließlich als Radweg zwischen Nord und Süd, Ost und West. Die igs 2013 aber möchte den Park für viele verschiedene Nutzungen und Nutzer entwickeln – und damit für Kinder, Erwachsene, Senioren und Radfahrer einen attraktiven Volkspark schaffen.
Kann mein Kind in Zukunft noch auf Bäume klettern?
Aber ja! Im Gartenschaupark bleiben Tausende von Bäumen stehen, die nach wie vor zum Klettern einladen. Außerdem werden dort 1.200 neue Bäume gepflanzt.
Warum müssen Eingriffe in die Natur ausgeglichen werden?
Nach dem Naturschutzrecht ist es Pflicht, dass jeder Eingriff in die Natur durch Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen kompensiert werden muss. Konkret bedeutet dies z.B., dass die intensivere Parknutzung auf dem igs-Gelände durch großflächige Extensivierung von Grünlandnutzung im Wilhelmsburger Osten ausgeglichen wird. Aber auch jeder gefällte Baum - von wenigen Ausnahmen abgesehen – muss durch die Neupflanzung eines Baumes ersetzt werden.
Wo befinden sich die Flächen für Ausgleichsmaßnahmen und Ersatzpflanzungen?
Die Gartenschau wird innerhalb des Parks rund 1.200 und außerhalb des Parks im Wilhelmsburger Osten rund 1.300 Bäume neu pflanzen, so dass bis 2014 insgesamt rund 2.500 neue Bäume in Wilhelmsburg wachsen werden. Im Wilhelmsburger Osten werden auch die Ausgleichsmaßnahmen, die durch die neu aufgestellten Bebauungspläne erforderlich sind, vorgenommen.
Diese Flächen befinden sich südlich des Siedenfelder Weges, rechts und links von der A 1, sowie am Stillhorner Weg, zwischen Stillhorner Hauptdeich und Westerdeich.
Warum sind die Flächen so weit weg?
Ausgleichsflächen schaffen neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen, nicht vorrangig für den Menschen. Es entsteht dort kein neuer Park, sondern eine Ruhezone für Flora und Fauna. Das ist wichtig zu wissen: Viele Elbinselbewohnerinnen und -bewohner kritisieren, dass die Ausgleichsflächen weit ab vom Wilhelmsburger Ortskern liegen. Sie fragen sich, was sie mit Ausgleichsflächen anfangen sollen, die sie nur schwer erreichen können. Darauf zielen Ausgleichsflächen aber gar nicht ab. Sie sind ein ökologischer Ausgleich für die Natur, keine neuen Grünflächen für den Menschen.
Die neuen Grünflächen entstehen ja im Zentrum Wilhelmsburgs, in der Nähe der Wohnungen: mit dem Park der Gartenschau.
Warum werden nicht alle Ersatzpflanzungen auf dem Gartenschaugelände vorgenommen?
Weil der Park dafür zu klein ist. Nicht zuletzt wurde ein Teil der Bäume gefällt um Platz zu schaffen für die Parkgestaltung. Für Spiel- und Liegewiesen, den Kanurundkurs und Uferzugänge, Wege und Sportflächen. Würde die igs 2013 das Gelände in gleichem Maße wieder bepflanzen, ginge diese neue Aufenthaltsqualität gleich wieder verloren.
Auf gutem Weg, aber noch nicht am Ziel

Alexander Porschke, Vorsitzender des NABU Hamburg, über das Ausgleichs- und Naturschutzkonzept der igs 2013
Sehr geehrter Herr Porschke: Wie verlief die Zusammenarbeit
zwischen den Naturschutzverbänden und der igs 2013?
Wir Naturschützer hatten uns Hoffnung gemacht: „Handeln im Einklang mit Natur und Umwelt“ war uns versprochen worden. Inzwischen wurden jedoch diverse Planungen verfestigt und eine Unzahl von Bäumen gefällt, ohne dass das versprochene Naturschutzkonzept vorgelegt und damit berücksichtigt wurde. Das hat zu den heftigen Protesten der Naturschutzverbände im Februar geführt, die das Verhältnis zur igs 2013 schwer belastet haben. Danach habe ich jedoch ernsthafte Bemühungen gesehen, die Zusammenarbeit wirkungsvoll zu verbessern und dem Naturschutz im Rahmen der noch verbliebenen Möglichkeiten einen angemessenen Stellenwert zu geben.
Wie bewerten Sie das Naturschutzkonzept der igs 2013?
Es ist gut, dass es jetzt endlich vorliegt. Voraussetzung ist allerdings, dass die darin enthaltenen Inhalte auch tatsächlich verwirklicht werden. Wir sehen im Konzept zentrale Elemente des Naturschutzes wie Biotopverbund, Maßnahmen für Biotope und Gewässer und Ersatzpflanzungen in groben Zügen dargelegt, erwarten aber noch Detaillierungen wie z. B. Pfl anzlisten, Zeit-, Ausführungs- und Finanzierungsplanungen. Außerdem fehlen uns noch wichtige Aspekte wie z. B. der Schutz ökologisch wertvoller Flächen, die vom Parkplatzbau an der Dratelnstraße gefährdet sind. Der geplante Kanukanal sollte ebenfalls naturschutzfreundlicher werden. Auch Konzepte für den Rückbau und die Nachnutzung liegen bislang nicht vor. Diese wären aber wichtig für eine Zukunft des Stadtteils, bei der Mensch und Natur in Einklang stehen. Zusammengefasst sind wir auf gutem Wege, aber noch nicht am Ziel unserer Bemühungen.
Wie sieht Ihre Vision von der Gartenschau 2013 aus?
Aus Naturschutzsicht sollte eine zukunftsfähige Gartenschau über rein ästhetische Wirkung hinaus auch die Bedeutung der Natur und der Gärten für die ökologischen Kreisläufe im besiedelten Bereich vermitteln. Lebensraumvielfalt, ein wenig Mut zur Wildnis, Bäume, Büsche und Pflanzen, die Insekten Nahrung und Lebensraum bieten, gehören für mich zu einer Gartenschau der Zukunft. Gift, Kunstdünger, Torf und ähnliche ökologisch bedenkliche Zutaten haben dort dagegen nichts verloren. Für mich wäre die Gartenschau 2013 ein Erfolg, wenn sie uns allen Freude an der Schönheit der Botanik verschafft sowie Verständnis für und Rücksicht auf die ökologischen Funktionen im Naturhaushalt vermittelt.
April 2010
Schützen und bewahren
Die internationale gartenschau hamburg geht so behutsam wie möglich mit der ihr anvertrauten Grünfläche um. Ihre Planungen wurden an den Natur-, insbesondere an den Gewässerschutz angepasst. Die wertvollsten Naturschutzflächen in Wilhelmsburg sind die Gewässer mit ihrer artenreichen Pflanzen- und Tierwelt. Sie pflegt und schützt die igs 2013 ganz besonders, indem sie bestehende Gewässer entschlammt, die Uferränder naturnah entwickelt und somit vor allen Dingen für Amphibien, Libellen und Wasservögel vielfältige Lebensräume schafft.
So etwa wird das Naturdenkmal
Uhlenbuschbrack, Lebensraum für Eisvogel und Grauschnäpper, Amphibien und Libellen besonders geschützt. Darüber hinaus wurden westlich der Rathauswettern kleine Tümpel geschaffen und verlandete Tümpel östlich des Kükenbracks wieder geöffnet. Das Netz von Gräben, an deren Böschungen standortgerechte Stauden und Gräser wachsen, wurde neu geschaffen.
An den Ufern von Kuckucksteich, Mahlbusen und Kükenbrack erfolgen Pflege und Pflanzmaßnahmen. Die Schilfflächen im Südosten des Parks, in denen Kuckuck, Nachtigall und Sumpfrohrsänger leben, wurden durch Nachpflanzungen nach Westen ergänzt.

- Foto: Andreas Bock
Lebensraum für gefährdete Pflanzen und Tiere im Wilhelmsburger Osten
Im Wilhelmsburger Osten wird ein 22 Hektar großes, zusammen- hängendes Feuchtgrünland für gefährdete Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Durch die Größe der Fläche können für den Naturschutz wichtige wasserbauliche Maßnahmen
umgesetzt werden, etwa der Einbau von Stau- und Steuerungs- einrichtungen zur Sicherstellung eines hohen Wasserstandes. Die mosaikartig angelegten Gräben und Flachwasserbereiche bieten insbesondere Wiesenvögeln und Amphibien einen neuen Lebensraum.
Natur erhalten - Natur erleben
Auf dem Gartenschaugelände befindet sich eine Vielzahl gesetzlich geschützter Biotope, insbesondere wertvolle Gewässerbiotope wie der Rathausteich, das Kükenbrack, der Mahlbusen und der Kuckucksteich, deren störungsempfindlichsten Gewässer unangetastet bleiben. Andere Biotope werden in ihrer Entfaltung unterstützt, indem sie beispielsweise entschlammt, die Uferbereiche abgeflacht oder Röhrichtbestände angepflanzt werden.
Eine behutsame Wegeführung schont die wertvollen Gewässer und macht sie zugleich für Erholungsuchende erlebbar. Die Stege am Kükenbrack, Mahlbusen und Kuckucksteich werden saniert oder neu gebaut, so dass Pflanzen und Tiere beobachtet werden können, ohne sie zu stören.





