Verkehrsinseln

Verkehrsinseln –Urbane Bühnen grüner Themen

Am 12. Mai 2010 weihte die internationale gartenschau hamburg auf der Elbinsel Veddel ihre erste von insgesamt dreizehn geplanten, grünen Verkehrsinseln ein. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Aktionskünstler Dierk Jensen und seinem Team gestaltet sie bis zur Ausstellungseröffnung im Frühjahr 2013 weitere zwölf Verkehrsinseln im Hamburger Raum.

Verkehrsinsel auf der Veddel zwischen S-Bahn-Station, BallinStadt und Müggenburger Zollhafen

Blick von oben aus östlicher Richtung:

Foto: igs 2013

Die auserkorene Verkehrsinsel liegt zwischen S-Bahn-Station Veddel und BallinStadt. Im Hintergrund ist der Spreehafen zu sehen.

Blick von oben aus südlicher Richtung:

Foto: google

Das Becken des Müggenburger Zollhafen - rechts oben im Bild – trennt Wilhelmsburg von der Veddel. Westlich daneben, rot markiert, liegt die Verkehrsinsel.

Nahaufnahme:

Foto: igs 2013

Wir nähern uns dem Ort des künstlerischen Einsatzes, die vom brausenden Verkehr auf der  Veddeler Brückenstraße umrundet wird.

Und los geht's:

Foto: Dierk Jensen

Die Aktion beginnt. Die Zimmerei liefert die fast zwei Meter hohen Buchstaben-Formen an.

„A“ steht für Anfang...

Foto: Dierk Jensen

...auch wenn gerade zu Beginn einer solchen Aktion manchmal alles im wahrsten Sinne des Wortes „auf dem Kopf stand“.

Massiv und einzigartig:

Foto: Dierk Jensen

Mit Vorliebe trägt Stadtwanderer FX Schröder sein Kreuz, äh, den ersten Buchstaben seines Vornamens zum Einsatzort.

Grundlagen schaffen

Foto: Dierk Jensen

Unterdessen ist PS-starke Gerätschaft der Gartenbaufirma Günther Meyer vorgefahren und formt aus 60 Kubikmeter Unter- und Mutterboden einen formschönen Hügel.

Wie sieht es denn aus?

Foto: Dierk Jensen

Die Buchstaben-Formen liegen am Tag vor dem Asphaltgießen schon mal auf dem neugestalteten Hügel Probe.

Alarm!

Foto: Dierk Jensen

Am nächsten Morgen fährt die Asphalt-Combo vor. Der Gussasphalt wird zuerst in einem Kocher auf die richtige Temperatur gebracht.

Heiß und dampfend...

Foto: Dierk Jensen

kommt der Gussasphalt aus dem Kocher und wird mit Eimern in die Formen gegeben.

Die Asphalt-Experten beweisen Fingerspitzengefühl:

Foto: Dierk Jensen

„Mal etwas anderes“, sagen sie und streichen das superschwere Material feinfühlig aus.

Scabble in groß

Foto: Dierk Jensen

Buchstabenrätsel während des Produktionsprozesses. Affei, Tafel … nein… VIELFALT!

Alles am richtigen Platz?

Foto:?

Eckart Keller (Mitte) beäugt skeptisch die Lage der Buchstaben  und so nimmt das Wort Stück für Stück Gestalt an. VIEL liegt schon fast richtig - jetzt fehlt nur noch FALT.

Hier kommt Grün ins Spiel:

Foto: Dierk Jensen

Jule Ziegler, ihres Zeichens Freiraumplanerin, sät  die Grassaat „verkehrsinselhübsch“ aus.

Nach Taten dürfen auch Worte fallen

Foto: igs 2013

Klaus Kriegs von der igs 2013 begrüßt die Jounalisten beim Pressetermin.

Wieso, weshalb, warum?

Foto: igs 2013

Der Aktionskünstler und Journalist Dierk Jensen schildert im Verkehrsrausch und im Beisein von Lokalpolitikern etwas zur Vorgeschichte und Intentionen der Aktion VIELFALT.

Der erste Streich

Foto: igs 2013

Dierk Jensen vom Künstlerteam und Doerthe Grimm von der igs 2013 und freuen sich über die erste von 13 Verkehrsinseln, die im Vorfeld der internationalen gartenschau zu „städtische Bühnen grüner Themen“ werden.

Die Sponsoren:

Kompost und Erden GmbH

Das Künstlerteam wurde bei den Erd-, Installations- und Pflanzarbeiten  für die Gestaltung der ersten Verkehrsinsel unterstützt von

Die Sponsoren:

Das Künstlerteam wurde bei den Erd-, Installations- und Pflanzarbeiten  für die Gestaltung der ersten Verkehrsinsel unterstützt von 

Die Sponsoren:

Das Künstlerteam wurde bei den Erd-, Installations- und Pflanzarbeiten  für die Gestaltung der ersten Verkehrsinsel unterstützt von 

Die Sponsoren:

Das Künstlerteam wurde bei den Erd-, Installations- und Pflanzarbeiten  für die Gestaltung der ersten Verkehrsinsel unterstützt von 

Zum Hintergrund

Fotonachweis: Jörg Böthling, Dierk Jensen, Karin Desmarowitz

Kein Zweifel: Verkehrsinseln liegen im Trend von Planern und Stadtentwicklern. Die Zahl dieser Inseln im fließenden Verkehr nimmt ständig zu, da neue verkehrsplanerische Konzepte in der Stadtentwicklung greifen: So entstehen zum Beispiel überall dort, wo Kreisverkehre alte Ampel-Kreuzungen ersetzen, neue Inseln. Aber auch an vielen anderen verkehrsreichen Knotenpunkten im städtischen Raum gibt es Verkehrsinseln, die auf unterschiedlichste Arten und Weisen gestaltet oder eben nicht gestaltet sind: gepflastert oder gar bebaut, mit unaufwändig zu pflegendem „Straßenbegleitgrün“, wie Rasen, Bodendeckern, Sträuchern und Bäumen oder zuweilen auch mit heimischen Blumen bepflanzt. Beinahe scheint es so, als ob die Planungsbüros immer zahlreicher Inseln kreieren, je mehr Verkehr über die Straßen rauscht.

Fotonachweis: Jörg Böthling, Dierk Jensen, Karin Desmarowitz

Doch würden gar nicht so viele verkehrsfreie Inseln existieren, wenn nicht der (Flächen-)Bedarf an Fahrbahnen und Verkehrsinfrastruktur so ungebrochen hoch wäre. Die planerischen und baulichen Aktivitäten stehen allesamt unter der Maßgabe, den zunehmenden Verkehr möglichst störungsfrei fließen zu lassen. So wächst der Verkehrsraum analog zum Wachstum der Städte, deren kulturelle, soziale und ökonomische Potenziale eine ungebrochene (und nach einer Welle der Stadtflucht in den achtziger Jahren nun wieder verstärkte) Anziehungskraft ausübt. Schon bald werden erstmals in der Geschichte der Menschheit mehr Menschen in der Stadt als im ländlichen Raum leben.

Die Migration aus ländlichen Räumen in die Städte und Ballungsgebiete ist deshalb eines der großen Themen unserer Zeit. Die Wanderungsbewegung stellt die urbanen Räume vor große Herausforderungen: logistisch, infrastrukturell, städtebaulich, energetisch und auch gesellschaftlich. Auch in der Metropolregion Hamburg leben Menschen mit unterschiedlichen Mentalitäten, Herkünften und Erfahrungen zusammen. Jeder stellt seine eigenen Ansprüche an einen lebenswerten urbanen Raum. Die Städte wachsen und verdichten sich und sollen gleichwohl lebenswert bleiben, sollen neben Beton, Stein, Asphalt, Glas auch Licht, Luft und Grün bieten.

In diesem Kontext scheinen die Verkehrsinseln, neben allen technischen und funktionalen Aspekten, die gestalterische Absicht zu manifestieren, (grüne) Ruhepunkte in den Verkehrsfluss zu setzen. Verkehrs- und Stadtplaner versuchen offenbar, mit den Verkehrsinseln innerhalb der Stadt Mobilität und Ruhe, Asphaltierung und Grün miteinander zu versöhnen.

(Text: Dierk Jensen)

Die Idee

In der Wahrnehmung der Fußgänger und Autofahrer sind Verkehrsinseln häufig einfach nur mehr oder minder hässliche „Unorte“ – Leerstellen in einem von Regeln und Zeichen überreglementierten Raum.

Die zentrale Idee des Projekts ist es, diese „Unorte“ durch Installationen, Objekte, und Inszenierungen neu zu verorten. Das Künstlerteam will die Inseln zu Bühnen gestalten, auf denen durch künstlerische, landschafts- architektonische und gärtnerische Eingriffe das Bewusstsein für grüne, nachhaltige und ökosoziale Themen geschärft wird.
(Text: Dierk Jensen)

Projektteam

v.l.n.r. Dierk Jensen, Autor, Journalist, Spurensucher und Kurator; Jule Ziegler, Architektin und Freiraumplanerin; Felix Schröder, Musiker, Sammler und Stadtwanderer; Eckhard Keller, Wandmaler und freier Künstler ; nicht auf dem Bild: Bettina von Bülow, Autorin, Redakteurin, Lektorin